Wie ich zwei Gehirnzustände beim Schreiben meiner Blogartikel nutze.

Das Gehirn hat zwei sehr unterschiedliche Arbeitszustände: die sehr konzentrierte fokussierte Phase und den Default Mode – das Tagträumen. Ursprünglich ist der Default Mode von Wissenschaftlern als Ruhephase des Gehirns beschrieben worden – was so nicht ganz stimmt. Denn das Gehirn ist immer aktiv, nur in unterschiedlichen Zuständen. Sicherlich gibt es noch mehrere Arbeitsmodi des Gehirns, die Forscher sind sich da nicht ganz einig, wie viele es wirklich gibt und wo der eine beginnt und wo der andere aufhört.

Wann Kreativität entsteht

Der Default Mode ist der wichtigste Zustand für die Kreativität. Ohne Default Mode keine Kreativität! Er entsteht vor allem in Situationen, in denen wir routinierte gewohnte Tätigkeiten durchführen, bei denen wir wenig Konzentration brauchen (Abwaschen, Spazieren gehen, Duschen). Dann können unsere Gedanken assoziativ Abschweifen, es entstehen im Kopf manchmal merkwürdige Zusammenspiele von Geschichten, Erinnerungen und eben auch neue Einfälle. Zusammen mit dem fokussierten Zustand der Konzentration mache ich mir den Default Mode zum Schreiben von Blogartikeln zunutze.

Meine Schreibroutine in 8 Schritten

Ideen sammeln – tagträumen

Wenn ich einen ganz neuen Artikel schreiben will, muss ich erst mal Ideen sammeln. Das tue ich eigentlich die ganze Zeit. Ich bin offen für alle möglichen Anregungen: kleine Wörter, Geschichten und Bilder, denen ich begegne und zu denen mir dann eigene Geschichten einfallen. Wenn ich unterwegs bin, höre ich anderen Menschen zu oder beobachte einfach ihr Verhalten. Dazu fallen mir dann eigene Geschichten ein oder Erlebnisse, die ich dann unterwegs notiere. Das mache ich über die Notizen App in meinem iPhone. Ich spreche einfach über die Spracheingabe hinein. Häufig fallen mir beim Duschen oder beim Joggen bestimmte Redewendung oder -Sätze ein, die ich besonders gut finde. Die schreibe ich so schnell wie möglich auf, damit ich sie nicht vergesse. Das ist vor allem deswegen wichtig, damit ich die Sachen aus dem Kopf bekomme. Ich habe oft so viel im Kopf, dass ich froh bin, ihn so entlasten zu können.

Sortieren – konzentrierte Fokusphase

Diese gesammelten Stichwörter und Satzschnipsel trage ich dann zusammen. Entweder sind sie schon nur für ein Thema oder ich clustere sie, um sie zu Themen zuzuordnen. Diese Themen können dann unterschiedliche Artikel werden und bekommen jetzt auch schon einen Arbeitstitel.

Braindump – für mich ein Zwischending: konzentriertes Abschweifen

Wenn ich Themen gefunden habe, suche ich mir eines aus, über das ich einen Artikel schreiben möchte. Mit diesem Thema mache ich einen Braindump: ich schreibe nochmals alles auf, was mir dazu einfällt. Einfach alles aus den Kopf kippen, was da kommt.

Kompostieren – tagträumen

Die Satz- und Wortsammlung lasse ich dann mindestens ein paar Stunden so liegen. Das ist meine Kompostierphase. Dieses wertvolle Material muss sich erst anreichern, um einen sinnvollen Text zu ergeben. In der Kompostierphase gehe ich auch gerne spazieren oder setze mich in ein Café, dann sammelt sich noch alles mögliche an Wörtern an. Und meistens kommen auch schon zusammenhängende Sätze.

Strukturieren – Fokusphase

Jetzt fange ich an, dem Material eine Struktur zu geben. Ich überlege mir, was ich eigentlich mitteilen möchte. Was soll der Leser erfahren? Dann schaue ich mir den Aufbau an. Ich überlege, ob und wie ich eine Geschichte einbauen kann. Und wie ich beginnen kann. Das geht eigentlich alles ein wenig durcheinander gleichzeitig. Und meistens schreibe ich schon Text.

Zweite Kompostierphase – tagträumen

In dieser Phase lasse ich den Text komplett ruhen. Das sollte gerne eine Nacht dauern.

Überarbeiten – konzentrierte Fokusphase

Ich überarbeite den gesamten Text und halte Ausschau nach Fehlern. Meistens fallen mir dann noch neue Formulierung ein und mir fallen Stolpersätze auf, die ich glatter schreibe.

Ich checke den Text auf Satzlänge, Füllwörter, bessere Formulierungen. Sind die richtigen Keywords drin? Kommt die Nachricht an, die ich rüberbringen will?

Überschrift und Einleitung – konzentrierte Fokusphase

Jetzt erst entscheide ich mich für die endgültige Überschrift und fasse eine kurze Einleitung zusammen.

Ganz am Schluss suche ich noch die passenden Bilder aus. Das ist auch wieder so ein fokussiertes Umherschweifen.

Den Default Mode kann man übrigens trainieren: mit Meditation! So langsam haben auch schon einige Schulen begriffen, wie wichtig diese Abschweifphasen für erfolgreiches Lernen sind – und führen Meditation in den Schulalltag ein.

Von Spektrum gibt es einen sehr lesenswerten Artikel über das Tagträumen.

Interessant, eigentlich wollte ich einen viel technischeren Artikel schreiben. Da bin ich wohl beim Schreiben abgeschweift! 🙂

Den Artikel hole ich dann mal nach.

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