Brauchen wir die großen Helden, die mit einem Schlag die Welt verändern? Alltagshelden und Vorbilder sind eng verbunden mit Werten und Taten. Es geht weniger um Macht als um Bedeutung.

Beim Schreiben meines letzten Blockartikels wurde mir klar, dass ich als Kind so gut wie keine Vorbilder hatte. Das machte mich traurig und erinnerte mich daran, dass ich mir sehr vieles später selbst erarbeiten musste. Vorbilder berühren auf eine bestimmte Art und Weise – meistens sprechen Sie Bedürfnisse an wie: wahrgenommen und wertgeschätzt werden, Gerechtigkeit und auch Zugehörigkeit.

Vorbilder geben Orientierung indem sie bestimmte Werte vertreten und für sie einstehen. Diese Menschen engagieren sich für eine Sache – für einen Moment oder auch dauerhaft, haben Mut und handeln selbstlos. Sie motivieren, sie nachzuahmen, um auch so zu werden wie sie. Dadurch entwickeln und festigen sich die eigenen Werte. Helden werden dann zu echten Vorbildern, wenn sie etwas erreichen. Deswegen Sind sie wichtig für die persönliche Entwicklung.

Wenn ich meinen Helden allerdings zu hoch auf einen Sockel hebe und nicht kritisch hinterfrage, kann es passieren, dass er mich enttäuscht. Wenn er zeigt, dass er auch nur ein Mensch mit seinen Schwächen ist. Das liegt meist daran, dass mein Selbstwert zu sehr von der Zuneigung oder Aufmerksamkeit meines Helden abhängt, ich mich also abhängig von ihm mache.

Bedeutung

Ein Held tut etwas für mich bedeutsames und er wird für mich erst dann zu einem Held, wenn ich ihm diese Bedeutung gebe.

Bei Netto um die Ecke gibt es einen Kassierer, auf eine besondere Art mit den Kunden spricht: unbekümmert flachst er mit den Leuten, macht Späße und weist auch manche Kunden geschickt zurecht, wenn sie allzu fordernd werden. Dadurch regelt er fast wie nebenher Streitereien und lockert die Stimmung auf. Er rettet damit nicht Leben oder ist besonders selbstlos, und ist in diesem Sinne vielleicht kein besonders großer Held. Aber ein bisschen Mut gehört schon dazu, so aufzutreten. Und er vertritt für mich den Wert von einer respektvollen und positiven Gemeinschaft, also Zugehörigkeit. Für mich ist er ein Alltagsheld, denn durch seine Art macht er die Welt ein kleines bisschen besser. Jemand anderes würde ihm diese Bedeutung gar nicht geben.

Taten zählen

Für mich sind Helden des Alltags durchaus Menschen, die vielleicht nur eine besondere Eigenschaft haben und diese leben. Ich muss mich diesen Menschen nicht besonders verbunden fühlen. Je mehr sie natürlich auch meine Werte vertreten, desto bedeutungsvoller werden sie und desto verbundener fühle ich mich. Aber es müssen nicht immer große Heldentaten sein, die sie zu Helden machen. Für mich kommt es auch auf das Durchhaltevermögen an. Jemand, der dauerhaft etwas Gutes zur Welt beiträgt, kann für mich eine genauso große oder sogar größere Bedeutung haben wie jemand, der ein einziges Mal eine Heldentat vollbringt und dafür dauerhaft gefeiert wird. Aber natürlich hängt das auch immer von dem Inhalt der Heldentat ab.

We can be heroes …

Ich finde es wichtig, auf die kleinen Dinge zu achten. Wenn wir genau hinschauen, können wir eine Menge Alltagshelden oder auch kleine Heldentaten beobachten. Dafür ist es gut, die eigenen Werte zu kennen und offen für Neues zu sein. Mich motivieren kleine Taten von Menschen sehr. Ich weiß, dass wir alle auch unsere Eigenarten haben und ich orientiere mich eher an der Tat selber und an der Einstellung, anstatt zu erwarten, dass die Menschen perfekt sind. Ich finde es lohnt sich, die Augen und Herzen dafür offen zu halten – und selber damit anzufangen. Auch wenn es erst mal nur für einen Tag ist.

… just for one day

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